In den meisten Kommunen mit Klimaschutzkonzept gibt es eine Person, an der alles hängt: den Klimaschutzmanager oder die Klimaschutzmanagerin. Die Stelle ist befristet, gefördert und in der Verwaltung oft schwer einzuordnen, weil sie quer zu allen Ämtern liegt. Trotzdem ist sie der Grund, warum Konzepte umgesetzt werden statt in der Schublade zu liegen. Dieser Beitrag beschreibt, was die Stelle leistet, wie sie finanziert wird und was Kommunen bei der Ausschreibung beachten sollten.
Grundlage der Förderung ist die Kommunalrichtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundes. Was sie im Detail regelt, steht im Beitrag zur Kommunalrichtlinie. Hier geht es um die Stelle selbst.
Aufgaben: Vom Konzept zur Maßnahme
- Umsetzung steuern: Die Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts in Projekte übersetzen, Zuständigkeiten klären, Zeitpläne verfolgen.
- Fördermittel beschaffen: Programme von Bund, Land und EU kennen, Anträge vorbereiten, Fristen halten. In vielen Kommunen refinanziert die Stelle sich allein dadurch.
- Controlling: Energie- und CO2-Bilanz fortschreiben, dem Rat jährlich berichten, Abweichungen benennen.
- Netzwerk und Kommunikation: Bürger, Vereine, Unternehmen und Schulen einbinden, Kampagnen organisieren, Ansprechstelle für Anfragen sein.
- Fachliche Beratung: Bauamt, Liegenschaften und Stadtwerke bei Sanierung, Beschaffung und Bauleitplanung zum Klimaschutz beraten.
Förderung über die Kommunalrichtlinie
Die Nationale Klimaschutzinitiative fördert das Klimaschutzmanagement als Erstvorhaben für die Umsetzung eines Konzepts und anschließend als Anschlussvorhaben. Gefördert werden Personalkosten, Sachkosten, Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeit, und zwar mit einem hohen Anteil der zuwendungsfähigen Ausgaben, für finanzschwache Kommunen noch höher. Die Antragstellung läuft über die Zukunft Umwelt Gesellschaft gGmbH als Projektträger, Details und aktuelle Quoten veröffentlicht das Bundesportal klimaschutz.de. Wichtig: Die Förderung ist an ein bestehendes oder gleichzeitig gefördertes Klimaschutzkonzept gebunden. Ohne Konzept keine Stelle.
Stellenprofil: Wen Kommunen suchen sollten
Die Ausschreibungen verlangen häufig einen Hochschulabschluss in Umwelt-, Energie- oder Verwaltungswissenschaften, aber die Praxis zeigt, dass Erfahrung in der Verwaltung und Kommunikationsstärke wichtiger sind als das Fach. Wer Fördermittelanträge schreiben, mit dem Kämmerer verhandeln und einem Ortsbeirat eine Wärmeplanung erklären kann, ist besser geeignet als der reine Techniker. Die Eingruppierung liegt meist zwischen E 10 und E 12 TVöD, was die Konkurrenz mit Stadtwerken und Ingenieurbüros erschwert. Kommunen, die die Stelle unbefristet ausschreiben oder eine Entfristung nach der Förderphase zusagen, bekommen deutlich mehr Bewerbungen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund weist seit Jahren darauf hin, dass befristete Förderstellen der Hauptgrund für den Personalwechsel im kommunalen Klimaschutz sind.
Woran Stellen in der Praxis scheitern
Erstens an der Anbindung: Ein Klimaschutzmanagement im Umweltamt hat weniger Durchsetzungskraft als eines als Stabsstelle beim Bürgermeister. Zweitens an der Erwartung, eine halbe Stelle könne eine Kleinstadt klimaneutral machen. Drittens an der Befristung, die nach drei Jahren genau dann endet, wenn die Person die Verwaltung kennt und Projekte anlaufen. Viertens an fehlendem Budget für Maßnahmen: Wer Fördermittel einwirbt, braucht kommunale Eigenanteile, und die stehen oft nicht im Haushalt.
Wie es besser geht
Erfolgreiche Kommunen behandeln das Klimaschutzmanagement als Daueraufgabe, verankern es als Stabsstelle, hinterlegen einen Eigenanteil im Haushalt und geben der Stelle ein klares Mandat gegenüber den Fachämtern. Sie nutzen die Förderphase, um Strukturen zu schaffen, die ohne die Person weiterlaufen: einen Klimaschutzbeirat, ein Energiemanagement für die eigenen Gebäude, feste Berichtstermine im Rat. Welche Fördertöpfe dafür 2026 offen sind, listet unser Beitrag zu den Fördermitteln für kommunalen Klimaschutz.
Fazit: Die Stelle ist der Hebel, nicht die Lösung
Ein Klimaschutzmanagement macht eine Kommune nicht klimaneutral, aber ohne die Stelle bleibt jedes Konzept Papier. Die Förderung über die Kommunalrichtlinie senkt die Einstiegshürde erheblich. Was die Kommune selbst leisten muss, sind Anbindung, Perspektive und Eigenmittel. Wer das vor der Ausschreibung klärt, findet Personal, das bleibt, und Projekte, die laufen.