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Münster: Fahrradstadt und kommunale Klimamobilität

Illustration Münster Fahrradstadt Promenade Radverkehr kommunaler Klimaschutz

Wer in Münster ankommt und die Bahnhofstraße verlässt, sieht es sofort. Fahrräder, überall. Nicht einzelne Radstreifen, sondern eine Fahrradinfrastruktur, die ganze Quartiere gliedert. Münster hat diesen Status nicht durch einen einzelnen Masterplan erreicht, sondern durch Jahrzehnte konsistenter kommunaler Entscheidungen. Die Fahrradstadt ist kein Image-Projekt. Sie ist Stadtplanung.

Stärken auf einen Blick

  • Einwohner: ca. 320.000 (2023)
  • Klimaschwerpunkt: Klimamobilität, Radverkehr, ÖPNV-Integration
  • Wichtigstes Programm: Masterplan Mobilität 2035, Klimaneutralitätsziel 2030
  • Auszeichnungen: ADFC-Fahrradklimatest 2024: Platz 1 (Städte >200.000 Einwohner)

Radverkehr: Zahlen, die für sich sprechen

Der Radanteil in Münster liegt je nach Erhebungsmethode zwischen 38 und 40 Prozent aller Wege innerhalb der Stadt. Damit ist Münster unter den deutschen Großstädten unangefochten führend. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt liegt bei rund 10 bis 14 Prozent, je nach Quelle und Definition.

Das Rückgrat ist ein Netz von über 500 Kilometern Radwegen, das sukzessive ausgebaut wird. Zentraler Knotenpunkt ist die Promenade, ein 4,5 Kilometer langer ringförmiger Weg um die Altstadt, der ursprünglich als Festungswall angelegt wurde. Heute ist er Münsters grüne Fahrrad-Magistrale und gleichzeitig einer der meistgenutzten innerstädtischen Grünzüge im Westen Deutschlands.

Ein Novum im deutschen Städtevergleich ist der Fahrradbahnhof am Hauptbahnhof. Über 3.000 Stellplätze, davon ein erheblicher Teil überdacht und bewacht, ermöglichen eine direkte Verknüpfung von Radverkehr und Fernverkehr. Das klingt nach Detail, ist aber ein funktionaler Hebel: Wer Fahrrad und Zug einfach kombinieren kann, lässt das Auto öfter stehen.

Der ADFC-Fahrradklimatest 2024 hat Münster erneut auf Platz 1 in der Kategorie der Großstädte geführt. Kritisch merkt der ADFC allerdings an, dass Münster beim Ausbautempo zuletzt stagniert. Eine ehrliche Einschätzung: Spitzenposition ist kein Ruhekissen.

ÖPNV-Integration und Klimaneutralität 2030

Münster hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Das ist ehrgeizig, besonders für eine Großstadt ohne eigene Industriebasis als Emissionsquelle, aber mit einem historisch hohen Anteil privater Mobilität im Umland.

Der kommunale Klimaschutzplan fasst Maßnahmen in Verkehr, Gebäude, Energie und Stadtgrün zusammen. Im Mobilitätsbereich setzt Münster auf eine engere Verzahnung von Radverkehr und Buslinienverkehr. Stadtbusse wurden elektrifiziert, Taktfrequenzen erhöht, neue Park-and-Ride-Anlagen am Stadtrand eingerichtet.

Besonders bemerkenswert: Der Stadtrat hat in den vergangenen Jahren mehrfach konkrete Vorhaben gegen Widerstände aus dem Autohandel und von Anwohnern durchgesetzt. Innerstädtische Parkplätze wurden in Radabstellflächen und Grüninseln umgewandelt, Kreuzungen für den Radverkehr umgebaut. Das zeigt: Klimamobilität funktioniert nicht ohne politischen Willen, der auch unpopuläre Entscheidungen trägt.

Klimagerechte Stadtentwicklung am Hafen

Ein Beispiel für neuere Stadtentwicklung mit Klimaaspekt ist die Transformation des alten Hafengeländes. Der Stadthafen Münster wurde in den letzten 15 Jahren zu einem gemischten Quartier aus Gastronomie, Kreativwirtschaft und Wohnen umgebaut. Dabei wurden klimarelevante Standards eingearbeitet: Gründächer auf den neueren Gebäuden, Versickerungsflächen statt vollständiger Asphaltierung, Uferpromenaden mit Baumreihen als thermischer Puffer.

Das Projekt ist kein Vorzeige-Ökoviertel im strengen Sinne, aber ein Beleg dafür, dass Klimaanpassungsmaßnahmen in Stadtentwicklungsprojekte integriert werden können, ohne sie konzeptionell zu dominieren. Eine Lektion, die für viele Kommunen relevant ist, die ähnliche Hafenareale oder Industriebrachen zur Verfügung haben.

Wer mehr über die Verbindung von Radverkehr und kommunalem Klimaschutz erfahren möchte, findet einen Überblick unter Klimafreundliche Mobilität in Kommunen. Den übergeordneten Rahmen kommunaler Klimaschutzpolitik beschreibt der Pillar zu Kommunalem Klimaschutz.

Weiterführend

Münsters Ansatz zeigt, was passiert, wenn Radverkehr nicht als Verkehrsthema, sondern als Klimainstrument behandelt wird. Eine Einordnung, wie Kommunen eigene Mobilitätsstrategien entwickeln, gibt der Beitrag zur klimafreundlichen Mobilität in Kommunen. Für das Thema Fördermittel lohnt ein Blick in den Überblick zu Fördermittel kommunaler Klimaschutz 2026.