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Kühle Orte und Trinkbrunnen: Hitzeschutz im öffentlichen Raum umsetzen

Illustration eines sonnigen Stadtplatzes mit öffentlichem Trinkbrunnen im Vordergrund, schattenspendenden Bäumen mit Sitzbänken und der offenen Tür einer Bibliothek als kühler Ort

Ein Hitzeschutzplan entfaltet seine Wirkung erst, wenn er auf der Straße ankommt. Für viele Kommunen ist der schnellste Weg dorthin nicht das Großprojekt, sondern die Kombination aus zwei unspektakulären Maßnahmen: öffentlich zugängliche kühle Orte, die bekannt und ausgeschildert sind, und Trinkwasser im öffentlichen Raum, das ohne Konsumzwang verfügbar ist. Beides lässt sich innerhalb einer Haushaltsperiode umsetzen und wirkt sofort auf die Gruppen, die Hitze am stärksten trifft: ältere Menschen, Obdachlose, Kinder, Beschäftigte im Freien.

Dieser Beitrag beschreibt, wie beide Maßnahmen praktisch ablaufen, was sie kosten und wo sie in die Gesamtstrategie gehören. Wie ein kommunaler Hitzeschutzplan als Rahmen aufgebaut wird, steht im Beitrag Hitzeschutzplan Stadt erstellen.

Kühle Orte: Was zählt und was nicht

Ein kühler Ort ist ein öffentlich zugänglicher Raum, in dem die gefühlte Temperatur an Hitzetagen deutlich unter der der umgebenden Straßen liegt. Das können klimatisierte Innenräume sein, etwa Bibliotheken, Kirchen, Rathausfoyers und Einkaufszentren, oder beschattete Außenräume mit Wasser und Sitzgelegenheiten, also Parks mit altem Baumbestand, Friedhöfe, Uferzonen. Entscheidend sind drei Kriterien: Der Ort muss ohne Eintritt und ohne Konsum nutzbar sein, er muss an Hitzetagen tatsächlich geöffnet sein, und er muss von den Zielgruppen erreichbar sein, also möglichst fußläufig in jedem Quartier. Ein Park am Stadtrand hilft dem Hochhausviertel in der Innenstadt nicht.

Der Ablauf in vier Schritten

  • Kartieren: Alle in Frage kommenden Räume erfassen, Öffnungszeiten prüfen, mit einer Hitzekarte oder Thermalbefliegung abgleichen. Quartiere ohne kühlen Ort im Radius von 500 Metern markieren.
  • Vereinbaren: Mit Trägern der Innenräume, etwa Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbänden und Einzelhandel, schriftlich festhalten, dass die Räume an Hitzetagen geöffnet sind. Das ist der aufwendigste Schritt.
  • Ausschildern und veröffentlichen: Ein Piktogramm am Eingang, eine Karte auf der Stadtwebsite, ein Faltblatt für Arztpraxen und Apotheken. Was niemand kennt, nutzt niemand.
  • Aktivieren: Kühle Orte werden bei einer Hitzewarnung des Deutschen Wetterdienstes aktiv kommuniziert, über Pressestelle, Warn-Apps und die Träger selbst.

Trinkbrunnen: Kosten, Standorte, Betrieb

Ein öffentlicher Trinkbrunnen kostet in der Anschaffung je nach Modell und Anschlusssituation zwischen 5.000 und 25.000 Euro, dazu kommen jährliche Betriebskosten für Wasser, Reinigung und die hygienische Beprobung, die nach der Trinkwasserverordnung Pflicht ist. Viele Kommunen scheuen den Betrieb wegen des Winterbetriebs und der Haftungsfragen. Bewährt haben sich frostsichere Modelle mit Entleerungsautomatik und die Übertragung des Betriebs an die Stadtwerke, die ohnehin für das Trinkwassernetz zuständig sind. Standorte sollten dort liegen, wo Menschen sich aufhalten und wo kein Wasser zu kaufen ist: Spielplätze, Haltestellen, Marktplätze, Sportanlagen. Ergänzend können Kommunen Gastronomie und Einzelhandel einladen, kostenlos Leitungswasser auszuschenken. Die Initiative Refill Deutschland stellt dafür Aufkleber und eine Karte mit teilnehmenden Läden bereit.

Förderung und Rechtsrahmen

Seit dem Klimaanpassungsgesetz des Bundes sind die Länder verpflichtet, Klimaanpassungsstrategien vorzulegen, und viele Länder reichen diese Pflicht in Form von Konzepten an die Kommunen weiter. Maßnahmen im öffentlichen Raum lassen sich häufig über Städtebauförderung, Landesprogramme zur Klimaanpassung oder Programme der Wasserversorger mitfinanzieren. Beratung dazu bietet das Zentrum KlimaAnpassung, das im Auftrag des Bundesumweltministeriums Kommunen bei Konzept und Umsetzung unterstützt und Musterausschreibungen sowie Praxisbeispiele sammelt.

Was oft schiefgeht

Kühle Orte, die im Hitzeschutzplan stehen, aber sonntags geschlossen sind. Trinkbrunnen, die nach dem ersten Winter abgestellt bleiben, weil die Wartung nicht geregelt ist. Karten, die nur als PDF im Ratsinformationssystem liegen. Alle drei Fehler haben dieselbe Ursache: Die Maßnahme wurde beschlossen, aber niemand ist für den Betrieb zuständig. Deshalb gehört zu jedem kühlen Ort und jedem Brunnen eine benannte Stelle in der Verwaltung, die ihn pflegt und im Sommer aktiviert.

Fazit: Klein anfangen, aber verbindlich

Kühle Orte und Trinkbrunnen sind keine Ersatzmaßnahmen für Entsiegelung und Stadtgrün, sondern die Brücke, bis diese wirken. Sie kosten wenig, sind in einem Jahr umsetzbar und erreichen genau die Menschen, die ein Hitzeschutzplan schützen soll. Voraussetzung ist, dass die Kommune sie nicht als Projekt behandelt, sondern als Daueraufgabe mit Zuständigkeit, Budget und Kommunikation. Dann werden aus zwei unspektakulären Maßnahmen die sichtbarsten Bausteine kommunaler Klimaanpassung.