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Schwammstadt: Wie deutsche Kommunen Regenwasser intelligent nutzen — 7 Schritte zum Konzept

Schematische Illustration einer Schwammstadt-Straße mit Versickerungsmulde, Baumrigole und unterirdischem Mulden-Rigolen-System als Querschnittdarstellung

Eine Schwammstadt speichert Regenwasser dort, wo es fällt — statt es in die Kanalisation zu jagen. Für Kommunen ist das seit dem KAnG 2024 keine Kür mehr, sondern Pflichtaufgabe der Klimaanpassung. Dieser Leitfaden zeigt in sieben Schritten, wie Ihre Verwaltung loslegt.

Was ist eine Schwammstadt? Definition und die 60/30/10-Wasserbilanz

Eine Schwammstadt ist ein Stadtplanungskonzept, das Regenwasser flächig versickert, speichert und verzögert abgibt — analog zur natürlichen Wasserbilanz von 60 Prozent Verdunstung, 30 Prozent Versickerung, 10 Prozent Abfluss.

In einem naturnahen Einzugsgebiet verdunstet der größte Teil des Niederschlags über Vegetation und Böden. Ein erheblicher Anteil versickert und trägt zur Grundwasserneubildung bei. Nur ein kleiner Rest fließt oberirdisch ab. In einer dicht versiegelten Stadt kehrt sich dieses Verhältnis um: Bis zu 70 Prozent des Niederschlags fließen direkt in die Kanalisation, kaum etwas versickert, kaum etwas verdunstet. Das ist die Ursache für Kanalüberlastung bei Starkregen, für Grundwasserabsenkung und für die verstärkte Überhitzung im Sommer.

Das Konzept geht auf das chinesische „Sponge City“-Programm zurück, das die Volksrepublik China 2013 im Rahmen der Spongy City Initiative gestartet hat — als staatliches Großprogramm zum Umbau von rund 30 Pilotstädten. In Europa wurde der Begriff adaptiert und um den kommunalen Planungsrahmen erweitert. Wassersensible Stadtentwicklung und blau-grüne Infrastruktur sind Synonyme, die denselben Systemgedanken beschreiben: Wasser ist keine Abfalllast, sondern eine städtische Ressource.

Wichtig für die Planung: Retentionsgründächer verzögern den Spitzenabfluss nach aktuellen Fachstudien (u.a. Berliner Regenwasseragentur) um 15 bis 30 Minuten, je nach Substrataufbau und Dachgefälle. Dieser Richtwert aus der Praxis wird in der FLL-Dachbegrünungsrichtlinie (Ausgabe 2018) durch Angaben zu Rückhaltemengen gestützt — nicht als normierter Minutenwert, aber als Systemleistung dokumentiert. Das klingt wenig, reicht aber aus, um Kanalsysteme bei kurzen Intensivniederschlägen zu entlasten. Retention ist kein Allheilmittel — aber ein systematisch eingesetztes Pufferinstrument.

Quellen: UBA, Difu, Böll-Stiftung Kommunalwiki, UBA-Bericht „Wassersensible Stadtentwicklung“ 2017.

Warum Kommunen jetzt handeln müssen — KAnG-Pflicht und Klimarisiken

Mit dem Klimaanpassungsgesetz (KAnG) vom 1. Juli 2024 sind Kommunen verpflichtet, Klimarisiken in alle Planungsentscheidungen einzubeziehen — Schwammstadt ist die zentrale Antwort auf Starkregen, Hitze und Dürre.

Das KAnG ist seit dem 1. Juli 2024 in Kraft. Es ist das erste Bundesgesetz, das Klimaanpassung als eigenständige öffentliche Aufgabe definiert — losgelöst vom Klimaschutz. Für Kommunen sind zwei Vorschriften relevant: Das Berücksichtigungsgebot nach § 8 KAnG verpflichtet Träger öffentlicher Aufgaben, Klimaanpassung fachübergreifend in Planungen einzubeziehen. § 12 KAnG regelt kommunale Klimaanpassungskonzepte — die Länder müssen bis zum 31. Januar 2027 festlegen, welche Kommunen ein Konzept aufstellen müssen und mit welchem Inhalt.

Hier ist eine wichtige Unterscheidung: Das Berücksichtigungsgebot ist kein hartes Umsetzungsgebot. Es verlangt, dass Klimarisiken wie Starkregen, Hitze oder Überflutung in Planungsentscheidungen eingeflossen sind — nicht dass eine bestimmte Maßnahme umgesetzt wird. Konkrete Handlungspflichten entstehen erst über die Länderausführungsgesetze. Wer jetzt auf einen Aufschub bis 2027 wartet, riskiert allerdings, bei der Fördervergabe leer auszugehen.

Die Klimaentwicklung lässt Zeit sowieso nicht mehr. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) dokumentiert in seinen Radardaten seit 2001 eine leichte Zunahme der Starkregenhäufigkeit — ein gesicherter Klimatrend ist aufgrund der noch kurzen Zeitreihe nicht abzuleiten, aber dort wo signifikante Trends messbar sind, zeigen sie fast ausschließlich in Richtung Zunahme. Statt „entweder Überschwemmung oder Dürre“ sehen Kommunen immer häufiger beides im gleichen Sommer.

Die guten Nachrichten: Ein kommunales Klimaanpassungskonzept als Einstiegsmaßnahme ist förderfähig — mit bis zu 90 Prozent für finanzschwache Kommunen. Das macht den Einstieg auch für Kommunen mit knappen Kassen realistisch. Details zur KAnG-Pflicht und den Fristen für Kommunen im Überblick.

Quellen: BMUV, DWD-Klimaatlas, Difu, gesetze-im-internet.de (KAnG-Volltext).

Die 6 Bausteine der Schwammstadt — Maßnahmen mit Kosten-Nutzen-Tabelle

Sechs Bausteine bilden das Schwammstadt-Toolkit: Retentionsgründach, Versickerungsmulde, Rigolen-System, permeable Oberfläche, Straßenbaum mit Baumrigole und blaue Infrastruktur — jeder mit anderem Kosten-Nutzen-Profil.

Kein Baustein funktioniert isoliert. Die Kunst liegt in der Kombination, abgestimmt auf den lokalen Untergrund, die Kanalsituation und die Flächenverfügbarkeit. Das DWA-Regelwerk A 138 (Versickerung von Niederschlagswasser) ist der maßgebliche technische Standard für die Bemessung von Versickerungsanlagen in Deutschland.

Baustein Primärfunktion Investitionskosten (Richtwert) Nutzen Lebensdauer
Retentionsgründach (extensiv) Spitzenabfluss verzögern, Verdunstungskühlung 60–120 EUR/m² Entlastung Kanal, Kühlung, Biodiversität 30–50 Jahre
Versickerungsmulde Oberflächenwasser flächig versickern 20–60 EUR/m² (Erdmodellierung) Grundwasserneubildung, Retention Dauerhaft bei Pflege
Mulden-Rigolen-System Unterirdische Versickerung über Schotterkörper 80–200 EUR/lfd. m Hohe Versickerungsleistung, platzsparend 25–40 Jahre
Permeable Oberfläche (Pflaster, Belag) Versickerung durch den Belag 40–90 EUR/m² (vs. Asphalt +20–40 EUR) Versickerung, Abkühlung, Optik 20–30 Jahre
Straßenbaum mit Baumrigole Regenwasser im Wurzelraum speichern, Kühlung 5.000–15.000 EUR/Baum inkl. Substrat Verdunstung, Beschattung, CO₂, Biodiversität 50–80 Jahre
Blaue Infrastruktur (Teich, Feuchtgebiet, Regenrückhaltebecken) Großvolumige Retention, Naherholung Projektabhängig, 500–5.000 EUR/m³ Volumen Hochwasserpuffer, Mikroklima, Ökologie 50+ Jahre

Die Kostenrichtwerte beziehen sich auf Marktpreise 2024/2025 und sind als Orientierungswerte zu verstehen — projektspezifische Ausführung und regionale Unterschiede können erheblich abweichen.

Ein Berliner Pilotprojekt seit 2018 zeigt, was Baumrigolen leisten: In der Berliner Regenwasseragentur wurden Straßenbäume mit unterirdischen Substratkörpern und Zuleitungen aus dem Straßenentwässerungssystem ausgestattet. Der Baum erhält Wasser auch in Trockenperioden, die Stadt gewinnt Retention. Dieses Modell lässt sich in fast jeder Straße replizieren — wenn Tiefbau und Grünflächenamt zusammenarbeiten.

Quellen: DWA A 138, BBSR, grün-in-die-stadt.de, Berliner Regenwasseragentur.

Hochwasser UND Hitze — die Doppelfunktion erklärt

Schwammstadt-Maßnahmen wirken doppelt: Sie puffern Starkregen ab und reduzieren gleichzeitig durch Verdunstungskühlung die städtische Hitzeinsel um messbare Grade.

Das ist der entscheidende strategische Vorteil gegenüber rein technischer Kanalinfrastruktur. Ein Regenwasserrückhaltebecken schützt nur bei Regen. Eine bepflanzte Versickerungsmulde kühlt im Sommer durch Evapotranspiration und schützt im Herbst durch Retention. Die Investition deckt zwei Klimarisiken gleichzeitig — was Kommunen mit knappen Haushaltsmitteln politisch leichter rechtfertigen können.

Begrünte Flächen können das Mikroklima in ihrer direkten Umgebung um mehrere Grad Celsius kühlen (Quelle: UBA-Bericht „Klimawandel in Deutschland“ 2021). Stadtbäume verdunsten an heißen Tagen mehrere hundert Liter Wasser — bis zu 400 Liter für ausgewachsene Bäume wie Linde oder Eiche bei optimaler Wasserversorgung (Wageningen University Research). Das entspricht der Kühlleistung mehrerer Klimageräte im Dauerbetrieb, allerdings ohne Stromverbrauch und ohne Abwärme-Rückkopplung.

Der Spitzenabfluss — also die maximale Abflussmenge pro Zeiteinheit nach einem Starkregenereignis — lässt sich durch Mulden-Rigolen-Systeme erheblich reduzieren. Konkrete Prozentwerte hängen vom Bemessungsregen, der Anlagengröße und dem Bodentyp ab und sind projektspezifisch zu berechnen (DWA A 138).

Das Konzept der wassersensiblen Stadtentwicklung greift genau diesen Zusammenhang auf: Wasser als Klimaregulator, nicht nur als Abwasseraufgabe. Wer Schwammstadt-Maßnahmen plant, sollte deshalb immer beide Nutzenströme in die Wirtschaftlichkeitsberechnung einbeziehen — Hochwasserschutz allein rechtfertigt oft nicht die Investition, die Kombination mit Hitzeentlastung schon.

Vertiefung: Urbane Hitzeinseln — Entstehung, Messung und Gegenmaßnahmen.

Quellen: UBA, DWD-Klimaatlas, Difu.

7 Schritte: So plant Ihre Kommune die Schwammstadt

Der kommunale Weg zur Schwammstadt führt vom Ratsbeschluss über Risikoanalyse, Pilotprojekt und Förderantrag bis zum integrierten Stadtentwicklungskonzept — sieben Schritte, die jede Verwaltung gehen kann.

Dieser Stufenplan ist kein theoretisches Modell. Er folgt dem, was Kommunen in der Praxis tatsächlich durchlaufen — inklusive der typischen Stolpersteine. BAFA und ZUG sind die zentralen Bewilligungsstellen für kommunale Bundesförderung; die NKI-Kommunalrichtlinie läuft bis Dezember 2027.

  1. Ratsbeschluss und politische Beauftragung. Ohne Rückendeckung aus dem Stadtrat läuft nichts. Eine einfache Beschlussvorlage „Beauftragung der Verwaltung zur Erstellung eines kommunalen Klimaanpassungskonzepts gemäß § 12 KAnG“ reicht als Startpunkt. Das gibt der Verwaltung Handlungsauftrag und öffnet Fördertüren.
  2. Klimarisikoanalyse beauftragen. Eine GIS-gestützte Analyse der lokalen Starkregen-, Hitze- und Hochwasserrisiken ist die Pflichtgrundlage. Ohne Karten weiß niemand, welche Stadtteile, Straßen und Gebäude als erstes handlungsbedürftig sind. Externe Gutachter kosten Geld — aber das Klimaanpassungskonzept selbst ist mit bis zu 90 Prozent (finanzschwache Kommunen) bzw. 70 Prozent Standardquote über die NKI-Kommunalrichtlinie förderfähig.
  3. Maßnahmenkatalog entwickeln. Aus der Risikoanalyse leitet sich ab, welche Schwammstadt-Bausteine wo sinnvoll sind. Welche Straßen eignen sich für permeable Beläge? Wo gibt es Flächen für Versickerungsmulden? Welche Flachdächer kommunaler Gebäude kommen für Retentionsbegrünung in Frage? Der Katalog priorisiert nach Wirkung, Kosten und Umsetzungsreife.
  4. Pilotprojekt realisieren. Theorie ohne Praxis bleibt Papier. Eine Pilotmaßnahme — zum Beispiel die Umgestaltung eines Schulhofs mit Versickerungsmulde und Baumrigole, oder ein Retentionsdach auf einem städtischen Gebäude — schafft Erfahrung, Sichtbarkeit und Referenz für spätere Förderanträge. Pilotprojekte sind politisch wertvoll: Sie machen das Konzept greifbar.
  5. Förderantrag stellen. Parallel oder nach dem Pilotprojekt: Förderanträge für die nächste Umsetzungsstufe aufbereiten. Der Antragsweg läuft über easy-Online (Bundesportal), die Bewilligungsstelle ist je nach Programm BAFA, ZUG oder die zuständige Landesbehörde. Typische Bearbeitungszeit: 5 bis 6 Monate. Wer zu spät beantragt, verliert Haushaltsjahr. Mehr zu Förderwegen: Fördermittel für kommunalen Klimaschutz 2026 im Überblick.
  6. Integration in Bauleitplanung und ISEK. Einzelmaßnahmen bleiben Flickwerk, wenn sie nicht in die Stadtplanung eingebettet sind. Schwammstadt-Festsetzungen in Bebauungsplänen — permeable Beläge auf Stellplätzen, Dachbegrünungspflicht für Flachdächer ab X m², Mindestversickerungsrate auf Privatgrundstücken — entfalten den systemischen Effekt. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) ist das geeignete Instrument zur gesamtstädtischen Verankerung.
  7. Monitoring einrichten. Was nicht gemessen wird, wird nicht gesteuert. Einfache Monitoring-Parameter: Versickerungsleistung der Anlagen (Pegelmessungen), Temperaturentwicklung in begrünten vs. nicht begrünten Straßen, Schadenshäufigkeit durch Kanalrückstau. Die Daten sind Grundlage für den nächsten Ratsbeschluss und für die Fortschreibung des Konzepts.

Quellen: BMUV NKI, BAFA, ZUG, Agentur für kommunalen Klimaschutz, Difu.

Welche Ämter müssen zusammenarbeiten?

Schwammstadt scheitert nicht an der Technik, sondern an Ämter-Silos — Stadtplanung, Tiefbau, Grünflächenamt, Umweltamt und Stadtentwässerung müssen koordiniert handeln.

Das ist in meiner Berufspraxis die häufigste Barriere. Nicht das fehlende Budget. Nicht die unklare Rechtslage. Die Ämter-Koordination. Ein Retentionsgründach auf einem städtischen Gebäude betrifft gleichzeitig das Hochbauamt (Statik, Abdichtung), das Grünflächenamt (Bepflanzung, Pflege) und die Stadtentwässerung (Anrechnung auf Regengebühr). Wenn keiner dieser drei koordiniert, landet das Projekt im Zuständigkeitskonflikt.

Mindestens fünf Ämter sind typischerweise an Schwammstadt-Planung beteiligt: Stadtplanung, Tiefbauamt, Grünflächenamt, Umweltamt und Stadtentwässerung. Hinzu kommen je nach Projekt Hochbauamt, Liegenschaftsamt und das kommunale Rechtsamt für Satzungsfragen. Difu-Erhebungen dokumentieren regelmäßig, dass die Ämterkoordination die meistgenannte Hauptbarriere bei der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen ist.

Die Lösung, die sich in der Praxis bewährt: eine Klimaschutzmanager-Stelle als Querschnittskoordination. Das BMUV fördert solche Stellen über die NKI-Kommunalrichtlinie mit bis zu 65 Prozent der Personalkosten für vier Jahre. Diese Person sitzt organisatorisch zwischen den Ämtern — kein eigenes Ressort, aber Schnittstellenmanagement mit Direktmandat. In Kommunen ab 20.000 Einwohnern, die ernsthaft Klimaanpassung betreiben wollen, ist das keine Kann-Lösung mehr.

Quellen: Difu, Agentur für kommunalen Klimaschutz, BMUV NKI.

Wartung und Langzeitbetrieb — Intervalle und Verantwortlichkeiten

Schwammstadt-Anlagen brauchen kontinuierliche Pflege — eine Wartungstabelle mit Intervallen und Zuständigkeiten verhindert Funktionsverlust nach wenigen Jahren.

Das ist ein Thema, das in Förderanträgen oft zu kurz kommt. Die Investitionskosten werden beantragt, die Lebenszykluskosten nicht mitgedacht. Dabei ist eine Versickerungsmulde, die nach fünf Jahren durch Verschlammung ihre Funktion verloren hat, kein Gewinn — sondern Ressourcenverschwendung.

Anlage Maßnahme Intervall Zuständigkeit
Retentionsgründach Sichtkontrolle, Entwässerungsöffnungen prüfen Jährlich (Frühjahr) Hochbauamt / Betrieb
Retentionsgründach Substrataustausch (Teilflächen) Nach 15–25 Jahren (FLL-Dachbegrünungsrichtlinie 2018) Grünflächenamt / Fachfirma
Versickerungsmulde Sichtkontrolle, Bewuchs, Verschlammung Halbjährlich Grünflächenamt
Versickerungsmulde Mähen, Auflockerung der Bodenoberfläche 2–4× pro Jahr je Bewuchs Grünflächenamt
Mulden-Rigolen-System Schachtkontrolle, Sedimentmessung Jährlich Stadtentwässerung
Mulden-Rigolen-System Sedimenträumung (wenn Schwellenwert erreicht) Alle 5–10 Jahre Stadtentwässerung / Fachfirma
Baumrigole Sichtkontrolle Zuleitungen, Baumkontrolle Jährlich Grünflächenamt / Tiefbauamt
Permeable Beläge Reinigung Fugen, Kolmationsprüfung Alle 2–3 Jahre Tiefbauamt

Die Wartungskosten sind über kommunale Betriebsprogramme und teilweise über Landesprogramme förderfähig — als laufende Betriebsausgaben im Rahmen des Anlagenbetriebs. Die FLL-Richtlinien (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) geben den technischen Standard für Dachbegrünung, das DWA-Regelwerk A 138 für Versickerungsanlagen.

Quellen: FLL-Dachbegrünungsrichtlinien 2018, DWA A 138, BBSR.

Förderung und Finanzierung

Drei Förderblöcke greifen ineinander: Kommunalrichtlinie (NKI), BAFA-Programme und Landesprogramme — die richtige Kombination kann bis zu 90 Prozent der Investition decken.

Der wichtigste Block: Die NKI-Kommunalrichtlinie (BMUV) fördert kommunale Klimaanpassungskonzepte mit bis zu 90 Prozent für finanzschwache Kommunen, 70 Prozent Standardquote. Das Programm läuft bis Dezember 2027; eine Anschlussregelung ist zum aktuellen Zeitpunkt offen. Der Antragsweg läuft über das easy-Online-Portal des Bundes, Bewilligungsstelle ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Typische Bearbeitungszeit: fünf bis sechs Monate — wer für das Haushaltsjahr 2027 noch gefördert werden will, muss spätestens Anfang 2026 beantragen.

BAFA-Programme zur Effizienzsteigerung an kommunalen Gebäuden lassen sich mit Schwammstadt-Maßnahmen kombinieren, wenn diese Teil einer energetischen Sanierung sind — etwa ein Retentionsgründach, das gleichzeitig die Wärmedämmung verbessert. Das erfordert Abstimmung zwischen den Programmen, zahlt sich aber in der Förderquote aus.

Landesprogramme variieren stark. Bayern, NRW und Baden-Württemberg haben eigene Kommunalinvestitionsprogramme mit Klimabezug. Sachsen und Brandenburg fördern über EFRE-Mittel. Der Aufwand für Kombianträge ist erheblich — aber gerade für Kommunen ohne eigene Finanzierungsspielräume der einzige Weg zu größeren Projekten.

Eine vollständige Übersicht der aktuellen Programme: Fördermittel für kommunalen Klimaschutz 2026.

Quellen: klimaschutz.de (BMUV), BAFA, ZUG, Agentur für kommunalen Klimaschutz.

FAQ: Schwammstadt für Kommunen

Was ist eine Schwammstadt einfach erklärt?
Eine Schwammstadt hält Regenwasser dezentral zurück, statt es sofort in die Kanalisation abzuleiten. Durch Versickerungsmulden, Retentionsdächer, permeable Beläge und Baumrigolen wird Niederschlag im Stadtgebiet gebuffert — das entlastet die Kanalisation bei Starkregen und kühlt im Sommer durch Verdunstung. Das Konzept orientiert sich an der natürlichen Wasserbilanz: 60 Prozent Verdunstung, 30 Prozent Versickerung, 10 Prozent Abfluss.

Sind Kommunen zur Schwammstadt verpflichtet?
Nicht direkt. Das KAnG 2024 (in Kraft seit 1. Juli 2024) verpflichtet Kommunen über das Berücksichtigungsgebot (§ 8), Klimarisiken wie Starkregen in alle Planungsentscheidungen einzubeziehen. § 12 KAnG verpflichtet zur Erstellung kommunaler Klimaanpassungskonzepte — die genauen Fristen legen die Länder bis zum 31. Januar 2027 fest. Schwammstadt-Maßnahmen sind die naheliegende Antwort, aber kein gesetzlich vorgeschriebener Standard.

Was kostet eine Schwammstadt-Maßnahme?
Das variiert erheblich je nach Maßnahmentyp. Eine Versickerungsmulde ist vergleichsweise günstig (20–60 EUR/m²), ein Mulden-Rigolen-System deutlich teurer (80–200 EUR/lfd. m). Ein Straßenbaum mit Baumrigole und Substratkasten kostet inklusive Einbau 5.000 bis 15.000 Euro. Mit NKI-Förderung (70–90 Prozent) reduziert sich der kommunale Eigenanteil erheblich.

Welche Stadt in Deutschland ist eine Schwammstadt?
Keine Stadt hat das Konzept vollständig umgesetzt — es ist ein schrittweiser Umbau über Jahrzehnte. Berlin ist mit der Regenwasseragentur (gegründet 2017) am weitesten bei der systematischen Umsetzung. Hamburg fördert Dachbegrünung mit bis zu 60 Prozent. In Freiburg wird seit den 1990er Jahren auf Versickerung gesetzt — das hat einen planerischen Vorsprung geschaffen, von dem heute andere Kommunen lernen können. Kopenhagen gilt als europäischer Benchmark nach dem Starkregenereignis 2011 (Schaden: rund 800 Millionen EUR), das einen umfassenden Stadtumbau ausgelöst hat.

Wer muss in der Kommune zusammenarbeiten?
Mindestens fünf Ämter: Stadtplanung, Tiefbauamt, Grünflächenamt, Umweltamt und Stadtentwässerung. In der Praxis kommen Hochbauamt und Liegenschaftsamt dazu. Ohne Koordinationsfunktion — etwa einen NKI-geförderten Klimaschutzmanager — scheitert die Umsetzung regelmäßig an Zuständigkeitskonflikten.

Weiterführend im Silo Klimaanpassung